
«Mit diesem Namen verbinde ich nichts Positives», hatte Michael am Telefon gesagt. Soeben hatte ich ihm mitgeteilt: «Ich stehe gerade auf dem Stadtplatz in Braunau am Inn.»
Ja, sie haben’s nicht leicht, die Braunauer. Das schmucke Städtchen im oberösterreichischen Innviertel ist bekannt. «…wegen der Tatsache, dass am 20. April 1889 Adolf Hitler in dieser Stadt geboren worden ist», wie die Braunauer auf ihrer Homepage selbst mitteilen.
Braunau und Hitler – für einige mag schon diese bildhafte Verbindung genügen. Da nützt auch der Hinweis wenig, dass einer der schlimmsten Unmenschen, den diese Welt je ertragen musste, nur bis zum Alter von drei Jahren in Braunau gelebt hat. Heute erinnert ein Mahnmal vor Hitlers Geburtshaus (Foto) an die Schrecken des Faschismus. Mehr aber nicht. Zumindest dort in der Salzburger Vorstadt (Name der Straße) Nummer 15. Nicht mal ein Schild am Haus selbst erinnert daran, so dass mich ein deutscher Tourist beim Fotografieren des Mahnmals gleich danach fragte. Leise flüsternd. So als ob man in falschen Verdacht geraten könnte…
Im kostenlosen Stadtführer gibt es einen deutlichen Hinweis auf das Geburtshaus. Die Braunauer wollen auch Zeichen setzen, heißt es im Internet. Es gehe darum, «dem Klischee, Braunau sei eine ‘braune Stadt’ zumindest gewesen, entgegen zu treten.» Und sicher schadet dieses Vorurteil auch dem Tourismus (dabei macht die Stadt einen netten und hübschen Eindruck).
Das Mahnmal selbst wurde aber erst 100 Jahre nach Hitlers Geburt in Braunau aufgestellt. Hier nachzulesen. Warum so spät, mag man fragen? Auf der Braunauer Homepage gibt es dazu Hinweise. Auch auf das Fehlen einer Hinweistafel. Der Mahnstein selbst stammt übrigens aus dem Steinbruch des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen.
Wie auch immer – die Braunauer reagierten nach außen hin recht spät auf ihr schweres Erbe: Am 8. August 2006 wurde der Park des Krankenhauses mit dem Namen des prominenten Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter umbenannt. Und im selben Jahr verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig so genannte Stolpersteine für die NS-Opfer Franz Amberger, Michael Nimmerfahl, Anna Sax und Adolf Wenger.
Wünschen könnte man sich für Braunau eine Begegnungsstätte nach dem Vorbild ehemaliger Konzentrationslager. Ein Konzept dafür scheint es zu geben, nur ist bislang nichts daraus geworden. Gerade solch eine Stätte hatte ich bei meinem Besuch Braunaus eigentlich erwartet. Und den Mahnstein gefunden – ohne einen Hinweis auf den Verursacher all dieses Schreckens…